gegründet 1918 in Wittenberg

Rundbrief Februar 2012

An die

Mitglieder, Freunde und Förderer der Luther-Gesellschaft                                 im Februar 2012                                                                                                    

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder der Luther-Gesellschaft,

„Ich urteile frei heraus und scheue mich nicht zu behaupten, daß es nach der Theologie keine Kunst gibt, die der Musik gleichzustellen wäre, weil sie allein nach der Theologie das schenkt, was sonst allein die Theologie schenkt: ein ruhiges und fröhliches Herz.“

Diese Sätze finden sich in einem Brief Martin Luthers, den er am Ende seines monatelangen Aufenthalts auf der Veste Coburg 1530 an den berühmtesten Komponisten seiner Zeit schrieb, an Ludwig Senfl, den Hofkapellmeister der bayerischen Herzöge. Luther bewunderte Senfl und seine Musik, und er erbat sich von ihm eine mehrstimmige Komposition über die Melodie „In pace in id ipsum“ – eine Weise, die er besonders liebe, von der er aber keinen mehrstimmigen Satz kenne.

Das Jahr 2012 ist innerhalb der Lutherdekade dem Thema „Reformation und Musik“ gewidmet. In zahlreichen Konzerten, Tagungen und mit breiter Beteiligung der Gemeinden und der kulturellen Öffentlichkeit werden die Folgen der Reformation für die Musik und das Musizieren erschlossen. Auch die Luther-Gesellschaft leistet mit Ihrer Frühjahrstagung einen Beitrag zu diesem Thema. Erstmals laden wir Sie nach Lübeck ein – eine Stadt, die in hervorragender Weise durch die protestantische Musikkultur geprägt ist. Das Programm, das von unserem aus Lübeck stammenden Vorstandsmitglied PD Pfarrer Dr. Uwe Rieske und dem Ersten Präsidenten vorbereitet wurde, sieht Vorträge über die Reformation und die Musik in Lübeck vor, dazu ein Orgelkonzert der besonderen Art in der Marienkirche: vierhändig und vierfüßig. Mit dem Besuch der Orgelvesper in St. Jakobi am Samstag werden wir auch die Kirche und die Orgel besuchen, an der Hugo Distler wirkte, dessen Werk einer der Vorträge gewidmet ist. Den Übergang von der Bilderwelt des Spätmittelalters zur Musikwelt der Reformation kann man bei einem Besuch des St. Annen-Museum erleben, das die größte Sammlung mittelalterlicher Altäre in seinen Mauern birgt. Schließlich Thomas Mann und die Musik – im Buddenbrookhaus werden wir am authentischen Ort den Beziehungen des Meisters zur Musik nachgehen. – Anmeldungen nimmt Frau Grabner in unserer Geschäftsstelle ab sofort entgegen. Besonders hinweisen möchten wir noch einmal darauf, das Studierenden auf Antrag eine Teilnahme zu ermäßigtem Preis ermöglicht wird.

Die Tagung vom 21. bis 23. September in Wittenberg wird sich dem Thema „Das Kreuz Jesu Christi und das Heil der Menschen“  widmen. Die Tagung wird vorbereitet von unseren Vorstandsmitgliedern Prof. Dr. Dietrich Korsch und Professor Dr. Notger Slenczka. Es soll der zentralen und doch so umstrittenen Frage nachgegangen werden, wie eigentlich im Tod des Jesus von Nazareth das Heil der Menschen begründet ist. – Was bedeutet es eigentlich genau, wenn wir in der Passionszeit singen: „Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld …“?  Was bedeutet eigentlich Vergebung – dasselbe wie Vergessen? Wie kann man fremde Schuld tragen? Kann man Schuld wieder gutmachen? Fordert Gott ein Opfer für sein Vergeben?

Daß diese Frage umstritten ist, wurde zuletzt deutlich, als in den vergangenen Jahren die alte Frage wieder aufgeworfen wurde, ob denn die Deutung dieses Todes als Sühneleistung vor Gott wirklich angemessen ist. Wir werden uns mit dieser Frage, werden uns aber auch mit der Deutung des Todes Jesu bei den Reformatoren beschäftigen – und nicht zuletzt mit der Frage, wie wir in unserem privaten und im öffentlichen Leben mit Schuld umgehen.

Im Rahmen dieser Tagung wird am 21. September erneut der Martin-Luther-Preis für den akademischen Nachwuchs verliehen werden. Wir freuen uns auf eine intensive Arbeit an einem Kernthema reformatorischer Theologie und auf eine festliche Veranstaltung der Preisverleihung.

Hinweisen wollen wir gerne auch auf die neugestaltete Homepage der Luther-Gesellschaft: www.luther-gesellschaft.de. Pfarrer Michael Lapp, Mitglied unseres Beirats, und Frau Grabner in unserer Geschäftsstelle haben sie neu konzipiert und höchst ansprechend gestaltet. Alle Basisinformationen über die Luther-Gesellschaft sind dort übersichtlich präsentiert, dazu auch weitere Texte. Im Themenjahr „Reformation und Musik“ weisen wir besonders auf die Luther-Lieder und auf die Lieder über Luther hin, die dort zu finden sind.

Herzlich dankbar sind wir für alle Zuwendungen, die uns auch im vergangenen Jahr erreicht haben. Besonders hervorheben möchten wir großzügige Spenden zur weiteren Unterstützung von Lesern unserer Publikationen in Ostmitteleuropa, denen wir das Lutherjahrbuch und die Zeitschrift LUTHER kostenlos zustellen können – bezahlen könnten sie die Veröffentlichungen aus eigenen Mitteln nicht.

Frau Grabner, die Leiterin unserer Geschäftsstelle wäre dankbar, wenn Sie ihr Adressen-, Konto- und sonstige für unsere Zusammenarbeit wichtige Veränderungen rechtzeitig bekannt geben könnten. Bitte teilen Sie ihr, sofern noch nicht geschehen, auch Ihre email-Adresse mit, damit Sie auf diesem Wege erreichbar sind. Und falls Sie noch keine Einzugsermächtigung für Ihren Beitrag erteilt haben, wären wir auch dafür dankbar.

Wir grüßen Sie und wünschen Ihnen persönlich und für Ihre Arbeit Gottes Segen und ein gutes Jahr.

I h r e

Prof. Dr. Dr. Johannes Schilling                                               Direktor Pfarrer Dr. Reinhard Brandt
Erster Präsident                                                                     Zweiter Präsident

letzte Änderung: 06. September 2016