gegründet 1918 in Wittenberg

Aktueller Rundbrief

An die Mitglieder, Freunde und Förderer der Luther-Gesellschaft                          Oktober 2017

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder der Luther-Gesellschaft,

as Reformationsjubiläumsjahr geht seinem Ende entgegen. Luther und die Reformation dürften in der Öffentlichkeit in den letzten Jahrzehnten niemals so präsent gewesen sein wie in diesem Jahr. Die Vielfalt dessen, was es im Zusammenhang des Jubiläums gegeben hat, ist außerordentlich groß. Für einen Rückblick ist es noch zu früh, aber einige Tendenzen und Erträge lassen sich doch schon erkennen und beschreiben.



Das Reformationsjubiläum hat, wie seit 1817, Martin Luther in den Mittelpunkt gerückt. Er ist und bleibt die überragende Gestalt, die für die Reformation steht. Von Wittenberg aus hat die Reformation ihren Lauf genommen, und viele, die an ihr mitgewirkt haben, sind durch die vorausgehende Dekade und das Jubiläumsjahr selbst neu in den Blick gekommen. Das gilt für die Vertreter der Kirche ebenso wie für die der Politik, für Reformatoren der zweiten Reihe und andere Mitstreiter und nicht zuletzt für die Frauen in der Reformation. Man kann sich fragen, ob Luthers theologische Entdeckung und seine religiöse Kraft nicht tatsächlich mit Recht im Zentrum des Interesses stehen. Die Luther-Gesellschaft hat in ihrer Arbeit jedenfalls dazu beigetragen, Luthers Größe und seine Grenzen wissenschaftlich verantwortet und für ein breites Publikum zugänglich zu erarbeiten und wird dies weiterhin tun.



Unbeschadet des großen Interesses an Luthers Person hat es deutliche Tendenzen zur Dekonstruktion des Reformators gegeben. Man wolle ihn nicht feiern, nicht überhöhen, seine Äußerungen gegenüber „Juden, Türken und Papisten“ seien unerträglich (was sie in der Tat sind) – und was der Rede mehr ist. Da ist viel Unwissendes und manches Falsche in die Öffentlichkeit gelangt, und das Interesse, das doch eigentlich der Reformation als einer Erneuerung des westlichen Christentums und der Kirche in Europa und darüber hinaus hätte gelten sollen, hat sich auf Nebenaspekte verlagert. Es wird mancher Nacharbeit bedürfen, Urteile und Vorurteile da und dort zurechtzurücken, aber die kommenden Jahre bieten dafür Gelegenheit.



Das Reformationsjubiläum 2017 hat weit mehr als hundert zum Teil große Ausstellungen hervorgebracht, an denen Mitglieder des Vorstands und des Beirats der Luther-Gesellschaft kräftig mitgewirkt haben. Die nationalen Sonderausstellungen in Wittenberg, Eisenach und Berlin haben mit Recht große Aufmerksamkeit auf sich ziehen können, aber auch kleinere Ausstellungen haben oft den Besuch gelohnt. Auch andernorts ist die Reformation in Ausstellungen und Vorträgen, in Theater und Konzert, in der Literatur und der bildenden Kunst kräftig wahrgenommen worden. Und die zahlreiche wissenschaftliche und nichtwissenschaftliche Literatur hat einige Bücher entstehen lassen, die über das Jahr hinaus Bestand haben werden.



Die Luther-Gesellschaft hat ihre diesjährige Tagung anlässlich der nationalen Sonderausstellung „Luther und die Deutschen“ vom 19. bis 21. Mai in Eisenach gehalten. Tagungsort war erneut das Hotel Hainstein; eine Führung durch die Ausstellung und ein Wartburgkonzert von Deutschlandradio Kultur sowie ein Gottesdienst in der Georgenkirche gehörten zum Programm. Über die gut besuchte Tagung liegt inzwischen ein Bericht unseres Vorstandsmitglieds Michael Lapp in LUTHER 3/2017 vor.



Zu den großartigen Ereignissen in der Geschichte der Gesellschaft zählt eine Tagung für Studierende, die vom 6. bis 8. Juni in Wittenberg stattgefunden hat. Es waren Teilnehmer aus Berlin, Bonn, Jena, Kiel, Leipzig und Wuppertal zur Arbeit an Luthers Römerbriefauslegung zusammengekommen. Und am 7. Juni hatten wir zum Vortrag von Prof. Dr. Michael Wolter ca. hundert Pastorinnen und Pastoren der isländischen Kirche samt deren Bischöfinnen zu Gast – ein großer Abend mit nachhaltiger Wirkung.



Die Zeitschrift LUTHER ist wieder zuverlässig erschienen, und noch vor Jahresende soll auch das Lutherjahrbuch wie geplant ausgeliefert werden. In der Geschäftsstelle geht alles seinen „sozialistischen Gang“. Bitte erteilen Sie uns, sofern noch nicht geschehen, eine Einzugsermächtigung für den Mitgliedsbeitrag. Und wenn Sie selbst zahlen: Bitte zahlen Sie alsbald im neuen Jahr und ersparen Sie der Geschäftsstelle damit Zeit und Kosten für Mahnungen.



Im kommenden Jahr feiern wir vom 28. bis 30. September das hundertjährige Bestehen der Luther-Gesellschaft am Gründungsort in Wittenberg. Es wird einen Festakt geben, wir werden den Martin-Luther-Preis für den wissenschaftlichen Nachwuchs 2018 verleihen können, und eine Tagung soll den Aufbruch 1918 und die Perspektiven für kommende Jahre thematisieren. Zudem findet satzungsgemäß eine Mitgliederversammlung statt, über die wir Sie mit dem Frühjahrsrundbrief näher informieren werden. Angesichts dieses reichhaltigen Programms würden wir uns über eine möglichst große Teilnahme der Mitglieder freuen. Sie können Ihr Interesse ab sofort bei der Geschäftsstelle bekunden – das erleichtert unsere Planungen.



Für alle Zuwendungen, die uns auch in diesem Jahr erreicht haben, danken wir herzlich. Angesichts der großen Aufgaben für das Jubiläumsjahr sind wir für weitere Spenden, die insbesondere zur Erarbeitung der Geschichte der Gesellschaft benötigt werden, sehr dankbar.



Erfreulicherweise hat die Nordkirche die Förderung der Luther-Gesellschaft wieder in ihren Kollektenkatalog aufgenommen. Kirchengemeinderäte können daraus Zwecke für die freien Kollekten im Jahr wählen. Es wäre schön, wenn die Mitglieder der Luther-Gesellschaft, die im Bereich der Nordkirche wohnen, ihre Pfarrerinnen und Pfarrer auf diese Möglichkeit der Förderung gerade mit Blick auf das hundertjährige Jubiläum der Luther-Gesellschaft hinweisen. Alle Übrigen könnten in ihren Gemeinden nachfragen, warum es hier diese Fördermöglichkeit nicht gibt.



Wir wünschen Ihnen ein gutes Ende dieses Reformationsjubiläumsjahres, mit reichen Erfahrungen der Kraft des von Luther wiederentdeckten Evangeliums, und grüßen Sie herzlich

Ihre

Prof. Dr. Dr. Johannes Schilling Direktorin Dr. Mareile Lasogga
Erster Präsident Zweite Präsidentin

 


 

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letzte Änderung: 03. November 2017